Wir halten die Entscheidung des KVV, im gesamten KVV Gebiet nur noch Fahrkarten für den sofortigen Fahrantritt zu verkaufen, für falsch.
Hierzu haben wir folgenden Antrag im Ortschaftsrat gestellt:


An
Ortsverwaltung Wettersbach
Rathaus Grünwettersbach
Stellv. Ortsvorsteher Tilman Pfannkuch
76228 Karlsruhe

Karlsruhe, 16.11.2021

Antrag der CDU/FW-Fraktion im Ortschaftsrat Wettersbach
Betreff: Beibehaltung von Fahrscheinen zur Entwertung bei allen Buslinien des KVV

 

Sehr geehrter Herr Pfannkuch,

der Ortschaftsrat Wettersbach möge das Thema „Verkauf von KVV-Fahrkarten“ bei der kommenden Sitzung beraten und folgenden Beschluss fassen:

  1. Der Oberbürgermeister wird beauftragt als Aufsichtsratsvorsitzender mit dem KVV ins Gespräch zu gehen, um die neue Fahrkarten-Verkaufsregelung wie folgt abzuändern:
    a) Fahrkarten für den sofortigen Fahrtantritt sollen nur an den Stadt- und Straßenbahnlinien des KVV eingeführt werden.
    b) Auch nicht entwertete Fahrkarten sollen weiterhin angeboten werden. Bei allen Buslinien des KVV soll es vorläufig bei der alten Regelung, mit einer möglichen Entwertung der Papierfahrkarten im Bus, bleiben.

Begründung:

Nach Ankündigung des KVV sollen ab dem 12.12.2021 im gesamten KVV Gebiet nur noch Fahrkarten für den sofortigen Fahrantritt verkauft werden. Die Fahrscheine sind also alle schon entwertet. Auch die Fahrschein-Entwerter sollen abgeschafft werden.

Dieses neue Fahrkartensystem wird im Bahnverkehr nach einer kurzen Umgewöhnungszeit bestimmt funktionieren, wenn an jeder Bahnhaltestelle ein Fahrkartenautomat mit moderner Bezahlmöglichkeit vorhanden ist.

Für die Buslinien sehen wir dies als nicht praktikabel und als eine Fehlentscheidung an. In ländlichen Gebieten und außerhalb der Kernstadt liegenden Stadtteile werden immer noch viele Einzelfahrscheine oder Tageskarten als Papierfahrkarten in den Vorverkaufsstellen oder an ortsfremden Automaten, meist auf Vorrat, gekauft.  Das Onlineticket ist hier noch kein fester Bestandteil in allen Bevölkerungsgruppen. Fahrkartenautomaten gibt es entlang der Buslinien fast keine, Vorverkaufsstellen sind teilweise weit entfernt und haben nur begrenzt geöffnet.

Daher ist es vielen Fahrgästen nicht möglich, Fahrkarten direkt vor der Fahrt zu erwerben. Zukünftig müssen diese Fahrkarten beim Busfahrer gekauft werden. Dies führt zu Verzögerungen und die bereits heute knapp bemessenen Fahrpläne, können dann nicht mehr eingehalten werden.

Das Land Baden-Württemberg möchte die Fahrgastzahlen bis 2030 (Bezugsjahr 2010) verdoppeln. Diese Bemühungen werden durch diese Maßnahme durch den KVV erschwert. Wir sehen die Änderungen des Fahrkartenverkaufs auch für einen großen Rückschritt bei den Bemühungen, Gelegenheitsfahrer oder neue Fahrgäste an den ÖPNV zu binden.

Auch die im Dezember 2021 kommende App „KVV.homezone“, mit einem integrierten Luftlinien-Kurzstreckentarif, kann diese Lücke kurzfristig nicht schließen, da es sich bei den Papierfahrkarten-Käufern um ein anderes Kundenklientel handelt. Die Umgewöhnung der Kunden benötigt einige Jahre Zeit, um diese nicht vom ÖPNV zu vergraulen.

Daher halten wir es für richtig, das neue Fahrscheinsystem zuerst in den Bahnen einzuführen und bei den Buslinien noch einige Jahre die Entwicklung abzuwarten. Es ist besonders in ländlichen Gebieten praktisch und kundenfreundlich Fahrkarten auf Vorrat kaufen zu können.

Zu prüfen wäre auch die Einführung einer elektronischen Chipkarte (E-Ticket), auf der eine bestimmte Anzahl von Fahrten im Voraus gekauft und gebucht werden können. Auch das kontaktlose Bezahlen im Bus sollte nicht nur wegen der jetzigen COVID-19-Zeit Standard sein. (Beides gibt es in anderen Ländern schon länger).

gez. Roland Jourdan, Fraktionsvorsitzender