CDU/FW-Wettersbach fordert neue Verkehrskonzepte und Ergänzungen im Nahverkehrsplan

Wir leben in bewegten Zeiten. Mobilität als allgemeines Bedürfnis stellt uns aktuell vor erhebliche Herausforderungen, insbesondere durch die geografische Lage unserer Stadtteile am Karlsruher Dreieck. Die Verkehrsbelastung spielt in unseren beiden Ortschaften ein zentrales Thema, für welche wir als Ortschaftsratsfraktion Lösungen suchen. Palmbach und Grünwettersbach werden maßgeblich durch die L623 geprägt, die durch unser Wettersbach führt. Neben dem reinen Anliegerverkehr besteht die Herausforderung, bestmögliche Lösungen für den Durchgangsverkehr sowie den Autobahnumgehungsverkehr zu finden.

Die CDU/FW-Ortschaftsratsfraktion sowie die Kandidatinnen und Kandidaten der CDU Wettersbach und der Freien Wähler haben sich intensiv mit der Zukunft unserer Stadtteile Palmbach und Grünwettersbach beschäftigt und ein Zukunftspapier „Wettersbach 2030“ erstellt. In diesem Papier ist das Thema „Verkehrsentlastung“ eines der Hauptthemen, welches wir hier ausführlich beschreiben.

Reduzierung der Verkehrsbelastung

Bus 47 an der Haltestelle Palmbach-Kirche in Richtung HauptbahnhofEine Hauptaufgabe sehen wir in der Erarbeitung von Lösungen zur Reduzierung der Verkehrsbelastung in unseren Ortsdurchfahrten. Hierzu haben wir seit mehreren Jahren zahlreiche Anträge im Ortschaftsrat gestellt, die vom Rat auch beschlossen wurden. Bei einem Fahrzeugbestand von über 7.000 Fahrzeugen in Wettersbach und insgesamt rund 11.500 Fahrzeugen in den Bergdörfern verursachen wir täglich 40.000 bis 60.000 eigene Fahrzeugbewegungen im Bereich unserer Höhenstadtteile. Diese Anzahl an Fahrten können nach unserer Meinung durch zukünftige neue Verkehrskonzepte reduziert werden.

Mit der Umsetzung unserer Anträge wollen wir einen Beitrag zur Mobilitätswende leisten. Wir streben zur Verkehrsminderung neue Verkehrskonzepte für die Karlsruher Höhenstadtteile an, hierzu ist bspw. ein neues Verkehrsentwicklungskonzept zu erstellen.

Mit der Erarbeitung eines Mobilitätsknotens, also der Vernetzung aller Verkehrsmittel, wollen wir unser Ziel, eine Verkehrsminderung des ortseigenen PKW-Verkehrs, erreichen. So soll zukünftig nicht jeder auf sein eigenes Fahrzeug angewiesen sein. Wir wollen es unseren Einwohnern leichter machen, dass sie auf ihr Auto verzichten können.

Neue ÖPNV-Konzepte gefordert

Als Mittelpunkt dieses Mobilitätsknotens sehen wir die Entwicklung eines effektiveren öffentlichen Personennahverkehrs. Nach dem Motto „vorbei am Stau“ setzen wir uns für einen gut ausgebauten, zuverlässigeren und pünktlicheren Personennahverkehr mit Zukunftsvisionen, insbesondere für die Verbindungen in die Innenstadt, ein.

Bushaltestelle Durlach - ZündhütleIm Ortschaftsrat haben wir Anfang 2019 die Erarbeitung von Konzepten beantragt, um eine zuverlässige und pünktliche ÖPNV-Verbindung zwischen Wettersbach bzw. den Höhenstadtteilen und der Innenstadt zu erreichen. Heute wird für Wettersbach in der Hauptverkehrszeit ein 10-Minuten-Takt zur Haltestelle „Zündhütle“ und ein 20-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof angeboten. Auf der Südtangente kommt es jedoch während den Hauptverkehrszeiten fast täglich zu Stauungen, was zu Verspätungen im Linienverkehr der Buslinien 44 und 47 führt. Dies hat zur Folge, dass Fahrgäste Anschlüsse am Hauptbahnhof und im städtischen Nahverkehrsnetz verpassen und dadurch verspätet zum Arbeitsplatz oder zur Schule kommen. Auch die Anschlüsse am Umsteigeknoten Zündhütle funktionieren dann nicht.

Abgesehen von den aktuellen Baustellen, wird für die nächsten Jahre eine Zunahme des LKW- und PKW-Verkehrs von circa 30% prognostiziert, was dauerhafte Verkehrsbehinderungen auch auf der Südtangente zur Folge haben wird. Gleichzeitig wachsen durch neue Wohnbaugebiete die Einwohnerzahlen in allen östlichen Stadtteilen. Dann wird der heutige ÖPNV in der Hauptverkehrszeit nicht mehr funktionieren.

Bei unserem Antrag haben wir verschiedene Punkte zusammengetragen, die in den neuen Konzepten auf ihre Machbarkeit geprüft werden sollen.

Schnelle Busverbindung in die Innenstadt

Zur kurzfristigen Umsetzung schlagen wir folgende Maßnahmen vor:

Ausschnitt KVV Liniennetzplan Bus und Schiene 12/2018Einrichtung einer Busspur auf der Südtangente in Fahrtrichtung Pfalz, zwischen der Ausfahrt Nr. 1 Wolfartsweierer Straße und Ausfahrt Nr. 2 Hauptbahnhof, auf dem bestehenden Standstreifen. Diese dann circa ein Kilometer lange Busspur sollte bei Stau für den ÖPNV freigegeben werden. Der nach unserer Ansicht am stärksten betroffene Streckenabschnitt könnte so kurzfristig entlastet werden. Trotz der schmalen Standspur halten wir bei Stau eine Busspur mit einer Freigabe bis 40 km/h für sinnvoll. Dies wird bereits in anderen Städten umgesetzt.

Eine weitere Möglichkeit ist die Schaffung einer zweiten Buslinie in die Innenstadt. Diese wäre durch eine Verlängerung der Buslinie 47A vom Zündhütle bis Gottesauer Platz oder Durlacher Tor relativ einfach zu realisieren. Die Linie 47A verkehrt als Verdichtungstakt zur Hauptverkehrszeit zwischen Palmbach und der Haltestelle „Zündhütle“.
Hier schlagen wir zwei Varianten zur Prüfung vor:
Variante 1
als Schnellbus über die Südtangente und Wolfartsweier Brücke, dann der Linienführung der Buslinie 42 folgend, mit Anschluss an die Stadtbahnhaltestellen Wolfartsweier Straße und Gottesauer Platz oder Durlacher Tor.
Variante 2:
Verlängerung Buslinie 47A vom Zündhütle durch das Industriegebietes Killisfeld / Ottostraße und weiter über die Wolfartsweier Brücke bis Gottesauer Platz. Dieser Vorschlag hat den Vorteil, dass das Industriegebiet Killisfeld an die Bergdörfer und das Zündhütle angeschlossen wird. Jedoch gibt es dann keinen Zeitvorteil mehr bei der Fahrt in die Innenstadt, im Vergleich zur Straßenbahnlinie 2.
Beide Varianten haben den Vorteil, dass auch der Bereich WolfartsweiererStraße / Ludwig-Erhard-Allee mit dem ÖPNV erreeicht werden kann. Mit dem Wachsen der neuen Südoststadt gibt es in diesem Bereich immer mehr Arbeitnhemer aus den östlichen Stadtteilen, die heute umständlich über den Hauptbahnhof fahren müssen.

Verlängerung der Buslinie 47 von Stupferich bis Bahnhof Kleinsteinbach

Wichtig ist uns die Verlängerung der Buslinie 47 von Stupferich bis Bahnhof Kleinsteinbach, mit Anbindung an die Stadtbahn S5 nach Pforzheim. Aufgrund unserer Lage am östlichen Stadtrand gibt es bei uns viele Einwohner die im Enzkreis und in Pforzheim ihre Arbeitsplätze haben. Bisher muss umständlich über KA-Hbf. oder Bhf. Durlach in Richtung Pforzheim gefahren werden. Viele Bürger benutzen auch bis Durlach Bahnhof ihren PKW und steigen dann in die Bahn um. 

Von der Haltestelle „Stupferich Rathaus“ bis Bahnhof Kleinsteinbach ist es nur eine Strecke von 4 KM, bzw. 5 Minuten Fahrzeit. Wir halten eine Linienverlängerung nur bis zum Kreisverkehr in Kleinsteinbach für sinnvoll, da so die Probleme mit dem beschrankten Bahnübergang  umgangen werden können. Diese Anbindung würde bzw. ab Grünwettersbach bei der Fahrt mit der S5 Richtung Pforzheim einen Zeitvorteil von ca. 36 bis 42 Minuten  bringen. Die Verbindung nach Pforzheim wäre ab Grünwettersbach auch 20 Minuten schneller, als die Fahrt mit der Linie 47 und dem Interregioexpress (IRE1) über den Hauptbahnhof. Selbst Fahrten von Kleinsteinbachern Bürgern von und zum Hauptbahnhof liegen im interessanten Zeitbereich. Außerdem erhält die Aloys-Henhöfer-Schule eine weitere Anbindung. Wir sehen daher für diese Linienverlängerung großes Potential.

Außerdem halten wir folgende Verbesserungen im Busliniennetz für wichtig:

  1. Durchgehender 20-Minutentakt der Linie 47 in den Abendstunden sowie am Wochenende ganztags.
  2. Zusätzliche Schnellbusfahrten über die Ortsumgehung Wolfartsweier (Linie 47X), auch auf den Heimfahrten.
  3. Taktverdichtung der Buslinie 107 nach Ettlingen (30-Minuten-Takt)
  4. Anbindung des P+M-Platzes am Autobahnanschluss Karlsbad an das Busnetz (Gemarkung Stupferich)
  5. Verknüpfung unserer Buslinien mit der Linie 115 in Waldbronn, Erreichbarkeit des Rathausmarktes Waldbronn.
  6. Erhalt und Ausbau der Buslinie 118 nach Langensteinbach
Busspuren – Straßenbahn - Seilbahn

Mittelfristig sollte für die Karlsruher Bergdörfer ein neues ÖPNV-Konzept entwickelt werden, um alle östlichen Stadtteile schneller und zuverlässiger an die Innenstadt anzuschließen.

Hierbei sollen folgende Maßnahmen auf ihre Machbarkeit geprüft werden:

  1. Verwirklichung von Busspuren oder Busstraßen vom Zündhütle in die Innenstadt
  2. Neue Stadtbahnlinie vom Zündhütle durch das Killisfeld und über die Wolfartsweierer Brücke mit Anschluss an die Südostbahn beim Kreisel. Diese Maßnahme ist besonders beim geplanten Ausbau der Wolfartsweierer Brücke zu prüfen. Dieser Streckenabschnitt könnte mit der angedachten Stadtbahnlinie von Ettlingen nach Wolfartsweier verknüpft werden.
  3. Straßenbahnlinie in die Höhenstadtteile. Diese ist bereits im Nahverkehrsplan 2014 enthalten. Nach unserer Einschätzung wird diese schwer zu verwirklichen sein, was sich aktuell auch bei der Radwegeplanung nach Grünwettersbach zeigt.
  4. ÖPNV-Seilbahn in die Höhenstadtteile. Diese Maßnahme ist in der KVV-Netzkonzeption 2020/2030 als alternative ÖPNV-Verbindungen bis nach Palmbach angedacht.
    Im Verkehrsministerium Baden-Württemberg wurde 2018 eine ÖPNV-Seilbahn-Studie für Baden-Württemberg erarbeitet und vorgestellt. Für die Stadt Stuttgart sollen in einem Pilotprojekt die Möglichkeiten für eine Seilbahn untersucht werden. Link: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/seilbahn-studie-fuer-baden-wuerttemberg-vorgestellt-1/
    Außerdem wurden am KIT - Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) [Puhe, Maike (Projektleitung); Max Reichenbach] die Studie „Hoch hinaus in Baden-Württemberg: Machbarkeit, Chancen und Hemmnisse urbaner Luftseilbahnen“ erarbeitet. Link: https://www.deutschernahverkehrstag.de/fileadmin/documents/praesentationen/2018/DNT2018_Praesentation_Reichenbach.pdf

KIT  Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), Puhe, Maike (Projektleitung); Max Reichenbach Seilbahn-Studie - Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg

Wir sind der Meinung, dass alle Zukunftsvisionen auf ihre Machbarkeit geprüft werden müssen. Das Ziel der Stadt Karlsruhe soll es sein, den ÖPNV so zu gestalten, dass er für PKW-Fahrer, die ansonsten täglich im Stau stehen, zu einer realistischen Alternative wird, um schneller und pünktlicher in die Innenstadt zu gelangen. Nur ein gut ausgebauter, schneller und attraktiver Personennahverkehr kann Autofahrer überzeugen, auf Bus und Bahn umzusteigen.

Wir haben daher auch angeregt, einen „Runden Tisch“ mit Vertretern von ÖPNV-Verkehrsplanern und Vertretern des Ortschaftsrates zu diesem Themenkomplex einzurichten. In diesen Planungsprozess sollen die Ortschaftsräte aus Stupferich, Hohenwettersbach, Wolfartsweier und Durlach (Bergwald) mit eingebunden werden. Außerdem sollte der Bedarf in den Nachbarorten Karlsbad und Waldbronn ermittelt werden.

Mobilitätsknoten

Mit einem weiteren Antrag forderten wir, einen Mobilitätsknoten in den Höhenstadtteilen zu entwickeln und zahlreiche Punkte für ein neues Verkehrskonzept zu prüfen und zu beurteilen. Bei der Erstellung eines Entwicklungskonzeptes für einen Mobilitätskonten in den Höhenstadtteilen sind, ergänzend zu einem ausgebauten ÖPNV, folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Anschluss des P+M-Autobahnparkplatzes zwischen Stupferich und Palmbach an das Busliniennetz
  • Neue P+R Parkplätze, um Pendlern aus dem Landkreis den Umstieg in den ÖPNV zu erleichtern
  • Kurzstreckentarife innerhalb der Karlsruher Höhenstadtteile
  • Car-Sharing-Stationen in jedem Stadtteil (bspw. Stadtmobil)
  • „On-Demand-Verkehre“, mit einer App bestellbare fünfsitzige Kleinbusse
  • Anschlüsse der außenliegenden Wohngebiete an das Hauptbusnetz
  • Konzepte für bessere Seniorenmobilität
  • Ladestationen für E-Mobile in allen Stadtteilen und Umsteigeparkplätzen
  • Radwegeausbau, hier ist im Besonderen der Radweg nach Wolfartsweier wichtig. Der Radverkehr wird mit der weiteren Verbreitung von E-Bikes zunehmen
  • Leihfahrrad-Stationen (auch mit E-Bike) in allen Bergdörfern
  • Ladestationen für E-Bikes
  • Auch die für Karlsruhe für das „Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg“ bestellten elektrisch-betriebenen Minibusse könnten in unserer Region getestet werden.

Hier wird der Radweg nach Wolfartsweier geplantZu unserem Kernthema Mobilität gehört ganz besonders der Bau des Radweges zwischen Grünwettersbach und Wolfartsweier, der für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer wichtig ist. Bei der Ortschaftsratssitzung am 02.04.2019 wurde das Thema aufgrund unseres Antrages wieder behandelt. Das Planfeststellungsverfahren läuft und muss nun schnell abgeschlossen werden, damit der Radweg endlich realisiert wird. Wir hoffen, dass das komplizierte Bauverfahren "Bewehrte Erde" zügig vorangebracht und nicht weiter verzögert wird. Für die Sicherheit des weiter zunehmenden Radverkehrs zwischen Grünwettersbach und Wolfartsweier sehen wir den Radweg, auch in dieser aufwendigen Variante, als unverzichtbar an.

Uns ist bewusst, dass sämtliche Maßnahmen im ÖPNV auch mit der Aufwendung finanzieller Mittel verbunden sind. Wenn jedoch bestehende Strukturen optimiert werden, führt dies gleichermaßen zu einem effektiveren Einsatz aufgewendeter Mittel und zur besseren Erreichung der Klimaschutzziele.

(Roland Jourdan)


Weitere Links:

Bus 118 von Durlach-Zündhütle zum SRH-Klinikum Karlsbad

Eine weitere Verbessung beim ÖPNV: Seit Juni 2019 fährt die Linie 118, von Durlach-Zündhütle kommend, auch das SRH-Klinikum in Karlsbad-Langensteinbach an.